Homopathie Zrni

Potenzierung - Stufenweise Verdünnung, einhergehend mit Verschüttelung oder Verreibung

Zu Beginn seiner homöopathischen Tätigkeit verwendete Hahnemann die Arzneien noch in ihrem Urzustand, d.h. unverdünnt als Urtinktur. Er beobachtete, daß bei der homöopathischen Anwendung dieser Arzneien vor einer Heilung oft unangenehme Reaktionen auftraten, insbesondere bei Stoffen, die sehr giftig waren. Er trat dem zunächst damit entgegen, daß er die Arzneien verdünnte, wobei diese jedoch immer mehr an Wirksamkeit verloren. Er experimentierte jahrelang, um ein geeignetes Verfahren zu entwickeln, mit dem dieses Problem gelöst werden konnte. Die Ergebnisse dieser Forschung hat Hahnemann im Organon der Heilkunst in den §§ 270 ff festgehalten. Die Arzneien werden nach genauer Anleitung stufenweise verdünnt und zwischen jedem Verdünnungsschritt verrieben oder verschüttelt. Im Gegensatz zu dem weitverbreiteten Irrtum, es handle sich lediglich um eine Verdünnung, kommt der Verreibung bzw. dem Verschütteln eine große Bedeutung zu. Was dabei genau passiert ist bisher noch nicht bekannt (vgl. dazu auch Forschung). Sicher ist, dass es sich nicht um eine materielle Wirkung handeln kann, weil ab den Potenzen D24, C12 oder Q6 statistisch gesehen kein Molekül der Ausgangssubstanz mehr in der Lösung vorhanden ist. Die Annahme ist, dass es sich um eine Art Informationsübertragung handeln muss, d.h. durch dieses Verschütteln oder Verreiben wird die Information der Ausgangssubstanz z.B. Arnica auf die Trägersubstanz (z.B. Alkohol-Wasser-Gemisch oder Milchzucker in Form von Globuli oder Pulver) übertragen.

Hahnemann nannte dieses Verfahren Potenzierung, abgeleitet von dem lateinischen Begriff "Potenz" (Kraft, Fähigkeit, Leistungsvermögen). Er machte die erstaunliche Erfahrung, dass die mittels Potenzierung hergestellten Arzneimittel intensiver, tiefgreifender und sanfter wirkten als die Ursubstanzen. So konnte er beobachten, dass potenzierte Arzneien eine wesentlich stärkere Arzneikraft und somit eine ungleich höhere Wirksamkeit entfalteten. Zudem riefen diese Arzneien keine so starken Erstverschlimmerungen hervor wie die Ursubstanzen, weil sie besser individuell angepasst werden können. Hahnemann stellte fest, dass Heilungen sanfter verliefen, wenn eine kleinstmögliche Arzneimittelgabe gegeben wurde, was erst durch die Potenzierung möglich wurde. Eine grosse Gabe übt einen zu starken Einfluss auf die Lebenskraft und auf die ohnehin schon angegriffenen Teile des kranken Organismus aus (vgl. Organon §§275-277).

Zudem machte Hahnemann die Erfahrung, dass selbst Stoffe, die normalerweise keine große Arzneikraft besitzen, durch das Potenzieren zu arzneilich hochwirksamen Mitteln wurden. Beispiele dafür sind Kochsalz, verschiedene Metalle, Graphit, Kalk.

Es gibt in der Homöopathie heute drei verschiedene Verfahren zur Potenzierung mit je unterschiedlichen Verdünnungsschritten:

D (Dezimal) - Potenzen: Verdünnung 1:10

C (Centisimal) - Potenzen: Verdünnung 1:100

Q oder LM (Quinquagintamillesimal): Verdünnung 1:50.000

Hahnemann selbst arbeitete jahrelang mit C-Potenzen, erst in der 6. Ausgabe des Organon, die erst nach dem 1. Weltkrieg veröffentlicht werden konnte (vgl. S. Hahnemann) führte er die Q-Potenzen, die heute teilweise auch als LM-Potenzen bezeichnet werden, in die Homöopathie ein. D-Potenzen sind eine relativ späte Entwicklung des klinisch orientierten homöopathischen Arztes Dr. Vehsemeier, der dieses Verfahren angeblich ein Jahr nach dem Weggang von Hahnemann nach Paris in die Homöopathie einführte. Diese Potenzen wurden von eher medizinisch orientierten Behandlern sehr begrüsst. Sie werden heute meist als organotrope (d.h. organbezogene) oder krankheitsbezogene Arzneimittel einzeln oder noch öfter in Komplexmitteln eingesetzt.

Die Herstellung der homöopathischen Mittel erfolgt selbstverständlich nach strengen hygienischen Richtlinien. Je nach Hersteller erfolgt die Herstellung entweder nach dem homöopathischen Arzneimittelbuch (HAB) oder nach den Vorgaben des Organon (vgl. z.B. Information der Remedia Homöopathie).

Zur Herstellung der einzelnen Potenzen:

Bei den Dezimalpotenzen wird 1 Teil der Ausgangssubstanz (Urtinktur) mit 9 Teilen Alkohol vermischt und 10x stark geschüttelt = D1. Von der D1 wird erneut 1 Teil genommen und mit 99 Teilen Alkohol verschüttelt = D2 usw.

Bei den Centesimalpotenzen wird 1 Teil der Ausgangsubstanz (Urtinktur) mit 99 Teilen meist ca. 35-69%igem Alkohol 10x senkrecht zur Erde gegen einen elastischen Gegenstand geschlagen oder geschüttelt = C1. Von der C1 wird erneut 1 Teil genommen und mit 99 Teilen Alkohol verschüttelt = C2. Die meisten C-Potenzen sind heute bis zu einer Potenz von MM (C1’000'000) erhältlich.

Quintesimal-Potenzen werden ausgehend von einer mit Milchzucker verriebenen (oder flüssigen) C3 (1’000'000) hergestellt. Q1: 1 Gran (=0.062gr.) Milchzucker der verriebenen C3 wird in 500 Tropfen Ethanol 15% aufgelöst (1/500). 1 Tropfen dieser Lösung wird mit 100 Tropfen Ethanol 100x kräftig geschüttelt. Mit 2.5 ml dieser Lösung werden 100 gr. Globuli der Grösse 1 (ca. 50'000 Globuli) imprägniert (oder mit 1 Tropfen 500 Globuli) und an der Luft getrocknet. Q2: 1 Globulus der Q1 wird in 1 Tropfen Wasser gelöst, danach mit 100 Tropfen Ethanol 86% (2,5ml) verdünnt und 100x geschüttelt. Mit dieser Lösung werden wiederum 100 gr. Globuli imprägniert.

Hahnemann hatte ausgerechnet, dass 500 solcher Streukügelchen noch nicht völlig einen Tropfen zu ihrer Befeuchtung annehmen können. Somit ist das Verdünnungsverhältnis von Stufe zu Stufe annähernd 1:50'000 (Zunächst 1:100 mit Alkohol, und dann 1:500 bei den Kügelchen; 100 x 500 ergibt 50'000). Dabei erfolgt die Potenzierung über zwei völlig verschiedene Träger, zuerst mit Hilfe des Alkohols wie bei den C-Potenzen, danach mit Hilfe der Kügelchen.

Q-Potenzen sind in der Regel bis zur Q120 erhältlich. Sie werden gemäss Vorschrift ausschliesslich als Dilutation d.h. in flüssiger Form und nicht als Globuli verabreicht.

Q-Potenzen werden auch als LM-Potenzen bezeichnet, was zu Missverständnissen führen kann, da die C50’000 auch mit LM bezeichnet wird. Die Herstellung von LM-Potenzen unterscheidet sich aber tatsächlich etwas von der Herstellung von Q-Potenzen (vgl. z.B. Information der Remedia Homöopathie). Deshalb immer - wenn möglich - Q-Potenzen gegenüber den LM-Potenzen den Vorzug geben.

Hier noch einige Erläuterungen zu den Bezeichnungen: Wenn man von Tiefpotenzen spricht meint man in der Regel C/D1 bis ca. C/D6, mit mittlere Potenzen ca. C/D7 bis C/D23, mit Hochpotenzen ca. C/D 24 bis unendlich. Die Hochpotenzen werden häufig mit den lateinischen Kurzbezeichnungen abgekürzt. So bedeutet M = 1’000, XM = 10’000, LM = 50’000, CM = 100’000, MM = 1’000’000.

Zudem findet man bei den homöopathischen Arzneimitteln noch zwei weitere Abkürzungen: H für Hahnemann-Potenz und K für Korsakoff-Potenz. Hahnemann-Potenzen werden nach der ursprünglichen Methode von Hahnemann hergestellt. Nach dem Verschütteln wird ein Tropfen aus dem Glas entnommen und mit Alkohol in einem neuen Glas oder Fläschchen weiterpotenziert. Jeder neue Potenzschritt verlangt ein neues Glas. Dieses Vorgehen wird deshalb auch Mehrglasmethode genannt.

Bei den Korsakoff-Potenzen wird nach dem Verschütteln das Glas ausgelehrt und die an der Innenwand verbliebene Menge der Arzneisubstanz (in etwa ein Tropfen) wird als Grundlage für nächste Potenzstufe verwendet. Dieses Vorgehen wird auch als Einglasmethode bezeichnet. Die meisten Hersteller stellen ab der C30 nur noch K-Potenzen her.

Welche Potenzen sind die geeignetsten? Diese Frage lässt sich nicht allgemein beantworten. Es hängt einerseits mit den Beschwerden und der individuellen Reaktionslage der Patienten zusammen und andererseits mit den Vorlieben und Erfahrungen des Behandlers. Ich persönlich arbeite am liebsten mit C- und mit Q-Potenzen. D-Potenzen und C-Potenzen bis zur C30 halte ich für die Selbstbehandlung bei akuten Erkrankungen für sinnvoll.

Selbstbehandlung und Komplexmittel: Komplexmittel werden in der klassischen Homöopathie nicht eingesetzt. Similasan-Globuli sind beispielsweise Komplexmittel, d.h. sie enthalten verschiedene Mittel, die z.B. bei Zahnungsbeschwerden Anwendung finden. Der Vorteil ist, dass in der Selbstbehandlung die Wahrscheinlichkeit grösser ist, dass das Mittel dabei ist, das hilft. Der Nachteil ist, dass man nicht weiss welches es ist, und dass es durch die anderen Mittel oder die Interaktion zwischen den Mitteln zu Unterdrückungen kommen kann. Unterdrückung bedeutet, dass man zwar keine Symptome mehr hat, die Krankheit aber nicht wirklich geheilt ist, sondern auf einer tieferen Ebene weiter wirkt. Auch in der anthroposophischen Medizin werden hauptsächlich D-Potenzen und Komplexmittel eingesetzt. Die anthroposophischen Ärzte scheinen damit gute Erfahrungen zu machen. Ich persönlich bin nicht kategorisch gegen Komplexmittel, auch wenn ich sie selbst nicht anwenden würde. Ich bin der Meinung, solange sie tatsächlich helfen und den Heilungsprozess voran bringen, können sie angewendet werden. Der Heilungsprozess sollte jedoch genau beobachtet werden. Wenn die gleiche oder eine ähnliche Krankheit ohne offensichtliche Ursache immer wieder kommt, dann bedeutet dies mit grosser Wahrscheinlichkeit, dass die Komplexmittel nur oberflächlich wirken und eventuell unterdrücken. In solchen Fällen und bei schwerwiegenden Leiden wäre es deshalb besser, im Fall einer Selbstbehandlung einen Homöopathen/eine Homöopathin beizuziehen. Grundsätzlich empfehle ich aber auch für die Selbstbehandlung Einzelmittel. Die Anwendung davon bedingt aber eine vertiefte Auseinandersetzung mit der Materie.