Homopathie Zrni

Miasmatik - die Veranlagung an bestimmten Krankheiten zu erkranken

Hahnemann verfolgte seine Erfolge und Misserfolge in der Praxis genau und analysierte auch seine Fehlschläge. Er stellte fest, dass es viele Fälle gab, in denen er durch die Verabreichung eines Mittels, welches die aktuellen Symptome abdeckte, oft Erfolgt hatte.

Er fand eine andere Gruppe von Patienten, in denen diese Methode nicht nachhaltig Wirkung zeigte. Dadurch sah er sich veranlasst, nach Ursachen für diese Misserfolge zu suchen. Zu diesem Zweck studierte er nicht nur die akuten Krankheitssymptome, sondern forschte in der Geschichte der Patienten nach früheren Erkrankungen. Er fand zwei Arten von Erkrankungen mit verschiedener Heilungstendenz: Akute Krankheiten und chronische Krankheiten.

Akute Krankheiten zeichnen sich dadurch aus, dass sie eine grosse Dynamik haben, sie kommen und gehen schnell. Sie zeichnen sich durch eine grosse Selbstheilungstendenz aus und verlaufen in 4 Stadien (Prodromal (Vorläufer), Anstieg, Maximum, Heilung). Sie entstehen häufig durch äussere Einflüsse (Kälte, Nässe, Ernährung usw.) und treten oft epidemisch auf. Viele sind auch ansteckend,

Chronisch Krankheiten weisen dagegen eine langsame Dynamik auf. Sie erscheinen meist langsam und haben keine Selbstheilungstendenz. Die Lebenskraft ist nicht von sich aus in der Lage, der Krankheit etwas entgegenzusetzen.

Bei den akuten Krankheiten war Hahnemann mit dem bisherigen Vorgehen häufig erfolgreich, bei den chronischen Krankheiten weniger. Er forschte weiter und stellte fest, dass es für die meisten chronischen Erkrankungen tiefergehende Ursachen gibt. Er nannte diese Ursachen Miasmen. Es handelt sich dabei um ererbte oder erworbene Grundkrankheiten. Anders ausgedrückt kann man auch sagen, ein Miasma ist die Veranlagung an bestimmten Krankheiten zu erkranken.

Seine therapeutische Konsequenz war, dass das heilende Mittel nicht nur die gegenwärtigen Symptome abdecken, sondern auch in Bezug auf das vorherrschende Miasma passen muss. Hahnemann unterschied damals drei Miasmen: Psora, Sykose und Syphilis. Er leitete diese Miasmen sinnbildlich von den drei Krankheitsbildern ab, die zu seiner Zeit häufig aufgetreten sind. Es sind dies

  • die Psora, von Psora = Krätze
  • die Sykosis, die als Grundkrankheitstendenz den Erscheinungen der unterdrückten oder übergangenen Gonorrhoe ähnelt
  • die Syphilis, die den Erscheinungen des unterdrückten oder übergangenen Schankers oder der Syphilis sehr ähnlich ist.

Die Miasmentheorie wurde später von Allen und anderen Homöopathen weiterentwickelt. Heute existieren unterschiedliche Miasmentheorien (vgl. z.B. hier). Manche erfahrene Homöopathen stellen den Nutzen der Miasmantheorie in Frage. Ich persönlich finde die unterschiedlichen Miasmentheorien sehr faszinierend. Ich habe verschiedene Miasmentheorien kennen gelernt und mich am intensivsten mit der Theorie nach nach Yves Laborde und Gerhard Risch auseinandergesetzt. Neben der Psora, der durch Ansteckung erworbenen und hereditären (d.h. vererbten) Sykose, der erworbenen und hereditären Syphilis unterscheiden diese Autoren zusätzlich noch die syphilitische Tuberkulinie, die sykotische Tuberkulinie sowie die Cancerinie in Anlehnung an die Krankheitsbilder der Tuberkulose und von Krebserkrankungen. Ich berücksichtige die Miasmatik bei der Fallanalyse insofern, als dass ich mir bei allen Patienten - so weit bekannt - die Erkrankungen der Vorfahren und natürlich die individuelle Krankheitsgeschichte ansehe und bezüglich Miasmatik analysiere. Meine bisherige Erfahrung ist, dass es Patienten gibt, bei denen diese Analyse direkt zum geeigneten homöopathischen Mittel führt. Dies ist aber eher selten der Fall. Häufiger lässt sich aus dieser Analyse nicht eindeutig ein homöopathisches Mittel ableiten. Auch die Bestimmung, welches der Miasmen gerade bei einem Patienten aktiv ist, lässt sich meiner Erfahrung nach nicht immer eindeutig sagen. Für das Krankheitsverständnis kann diese Analyse trotzdem sehr wertvoll sein.