Homopathie Zrni

Heilungsverlauf - Hering'sche Regel

Homöopathinnen und Homöopathen beobachten in der Praxis immer wieder, dass eine Heilung nach bestimmten Gesetzmässigkeiten abläuft. Diese wurden bereits von Konstantin Hering (1800 – 1880) respektive seinen Schülern formuliert. Aus einer großen Anzahl von geheilten Fällen erkannte Konstantin Hering folgende Gesetzmäßigkeit: Die Heilung erfolgt von oben nach unten, von innen nach außen und in umgekehrter Reihenfolge des Entstehens.

Was genau darunter zu verstehen ist, sollen folgende Beispiele verdeutlichen:

Von oben nach unten

Ein Patient kommt mit Gelenkbeschwerden in Schulter, Hüfte und Knie in die Behandlung. Nach der Gabe einer passenden Arznei berichtet er bei der nächsten Konsultation über Hüftschmerzen. Auf die Frage, wie es der Schulter geht, stellt der Patient fest, dass er bereits seit längerer Zeit dort keine Schmerzen mehr verspürt. Einige Zeit später klagt er über mässige Knieschmerzen. Hüftschmerzen hat er keine mehr. Mit der passenden Arznei verschwinden dann auch die Knieschmerzen.

Dieser Ablauf wird allerdings nicht immer beobachtet. Manchmal verschwinden die Beschwerden auch gleichzeitig, was selbstverständlich sehr angenehm ist und nichts über die Qualität des Heilungsverlaufes aussagt.

Von innen nach aussen

Die Heilung erfolgt vom Zentrum zur Peripherie, d.h. von den wichtigeren Organen zu den weniger wichtigen. Die Haut als äußerstes Organ heilt am Schluss. Als äußerste Ebene hat sie auch eine Entgiftungsfunktion.

Ein Beispiel zur Verdeutlichung: Ein Patient, der früher unter Neurodermitis gelitten hat, die mit Cortison behandelt wurde, kommt wegen asthmatischen Beschwerden in die Behandlung. Einige Zeit nach der Gabe eines geeigneten Mittels bessern sich die Atembeschwerden. Wieder einige Zeit später kommen die Hautauschläge, die der Patient von früher kennt, zurück. Diese heilen mit dem geeigneten homöopathischen Mittel einige Zeit später ab und der Patient ist beschwerdefrei.

Umgekehrt ist jeder Homöopath/jede Homöopathin sehr beunruhigt und alarmiert, wenn ein Patient wegen Hautausschlägen in die Behandlung kommt, einige Zeit nach der Gabe eines homöopathischen Mittels sich die Haut bessert, aber Atemprobleme auftreten. Dies bedeutet nämlich, dass die Heilung in die falsche Richtung verläuft und der Homöopath/die Homöopathin muss die Arzneigabe nochmals sehr gut überprüfen. In der Fachsprache wird dies auch als "Unterdrückung" bezeichnet. Es ist wichtig zu wissen, dass nicht nur schulmedizinische Medikamente wie Cortison unterdrückend wirken können sondern auch homöopathische Arzneimittel.

In umgekehrter Reihenfolge des Entstehens

Krankheiten, die erst kürzlich aufgetreten sind, heilen zuerst ab. Die Krankheitsgeschichte wird oft chronologisch rückwärts aufgerollt. Am Schluss verschwinden die Befindensstörungen, die man am längsten hat.

Beispiel: Ein Patient hat seit der Kindheit Kopfschmerzen, seit 6 Jahren Verdauungsprobleme und seit einem Jahr leidet er an Atembeschwerden. Nach Verordnung einer passenden Arznei verschwinden zuerst die Atembeschwerden dann die Verdauungsbeschwerden und zuletzt die Kopfschmerzen.

Die Hering’sche Regel ist somit ein Kriterium, mit der sich der Ablauf einer Heilreaktion beurteilen lässt. Die alltägliche Praxis zeigt, dass oft nur ein oder zwei der oben genannten Kriterien erfüllt sind. Manchmal verschwinden z.B. Beschwerden, die unterschiedlich lange bestehen, auch nahezu gleichzeitig.

Ein Kriterium sollte meiner Meinung nach aber immer erfüllt sein: Heilung muss von den wichtigeren zu den weniger wichtigen Organen erfolgen.